Ein Schiffstagebuch

Letze Aktualisierung:

28.6.2021

MMSI   211251200

Rufzeichen: DD 9620

22.04.1997

Die Überführung nach Travemünde

Nach Abschluss der Ausrüstungsarbeiten war nun der große Tag der Überführung der YUKON LOU nach Travemünde gekommen. Zusammen mit Herbert Hils, einem erfahrenen Bekannten aus Travemünde brachten wir das gute Schiff zu seinem neuen Heimathafen…

Dienstag , der 22.4.1997

Ganz früh am Morgen bringt uns mein Schwiegervater von Travemünde nach Wilhelmshaven. Die YUKON LOU lag an dem kleinen Ausrüstungssteg bei Cramer-Boote und wartete schon ungeduldig. Unsere Abfahrt verzögerte sich leider noch mal, weil irgend jemand bei der Bank die letzte Zahlung vermutlich vermuddelt hatte. Die war von mir natürlich pünktlich angewiesen worden. Aber dann kam am späten Vormittag von Herrn Cramer die Nachricht, das der Betrag auf seinem Konto sei. 

So verholten wir durch die riesige Seeschleuse von Wilhelmshaven (350 Meter lang) in den Nassauhafen, wo wir die Nacht verbringen wollten, um dann am nächsten Morgen um 6:00 Uhr mit der Tiede die Jade runter zu laufen. Ich hatte die Abfahrt so gelegt, das wir, wenn die Tiede wieder auf zu laufen beginnt,  in Höhe von ELBE 1 sein würden und somit den Strom voll auf unserer Seite haben würden. Das schiebt ordentlich mit, spart Diesel und Zeit.

Am Abend gab es für die Jungs in dem urigen Seglerheim am Nassauhafen ein ordentliches Bratkartoffelgericht.


‍    Mittwoch, der 23.4.1997

Punkt 6:00 Uhr flogen die Leinen los und es ging bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und mit verreisten Decks die Jade abwärts. Der Wind hatte über Nacht abgenommen, eine alte Dünung lief noch ein bisschen nach, die uns samtweich auf und ab bewegte. Nach knapp anderthalb Stunden erreichten wir den Leuchtturm ROTER SAND, den wir 2 mal umrundeten. Toll, das dieses einzigartige Bauwerk vor dem Verfall bewahrt wurde. Man hat um sein stark verrottetes Fundament eine Stahlmanschette gelegt und diese mit Beton verfüllt. So wird er wohl noch lange dort draussen auf dem Roten Sand stehen.


An Steuerbord ließen wir seinen Nachfolger, den Turm ALTE WESER liegen und liefen auf einem Kurs von 11º auf die Elbmündung zu, die wir ein Stunde später erreichten. Wir erwischten den nun auflaufenden Strom und so ging es an den noch hoch trocken liegenden Sänden vor der Insel Schaarhörn vorbei nach Cuxhaven. Dort haben wir noch mal unsere Treibstoffvorräte ergänzt. (etwas teuer, aber für den Umweg über das zollfreie Helgoland fehlte leider die Zeit).

Weiter geht es, immer noch mit dem Strom Kurs Hamburg. Erreichen den Hafen gegen 16:00 und machen im City Sportboothafen bei Hafenmeister Robby Rottmann fest. Die YUKON LOU erregt sofortige Aufmerksamkeit der im Hafen anwesenden Wassersportler. „Was ist das denn“ Wo gibt es das denn so etwas?“ Toll!“ Ein richtiges Schiff“ und so weiter. 

Abends gehen wir ins PEKING in der Lincoln Strasse, das damals noch unter original Besetzung der Gründungsfamilie war. Das PEKING ist das erste Chinarestaurant im Hamburg gewesen und bot eine ausserordentliche gute Küche in einem original aus den sechziger Jahren stammenden Ambiente. Leider ist es Ende der neunziger Jahre verkauft worden und damit ist ein tolles Kleinod des Kiezes gegangen. Dort traf Mann mitunter die unterschiedlichsten und skurilstenTypen der Hamburger Szene.



Donnerstag, der 24.4.1997

Um 6:00 geht es weiter. Zuvor wird noch der Mast gelegt. Um 9:30 gehen wir durch die Schleuse in Geesthacht und sind eine Stunde später in Lauenburg. Der Wind hat wieder ziemlich aufgebriest. Leider müssen wir vor Schleuse Lauenburg über eine Stunde warten, danach durchlaufen wir zügig den Elbe-Lübeck Kanal mit seinen 7 Schleusen und machen um 22:00 Uhr an unserem Liegeplatz in der Böbs-Werft in Travemünde fest. 

Mein Vater Wilhelm, damals 77 Jahre alt, erwartet uns bereits sehnsüchtig am Steg und nimmt die Leinen an. Er gratuliert mir zu dem schönen Schiff und wünscht uns allzeit gute Fahrt und immer die berühmte handbreit Wasser unter dem Kiel.

Leuchtturm ROTER SAND am frühen Morgen des 23.4.1997

Die YUKON LOU 1997 in der großen Seeschleuse Wilhelmshaven

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