YUKON LOU

Ein Schiffstagebuch

Wie kam das Schiff zu seinem Namen?

1979 gab es noch gar keine NORDIC TUGS, aber dennoch nimmt das Schicksal in diesem Jahr seinen Durchlauf. Hier die Story des Namens der YUKON LOU:

 

1979 habe ich mit meinem Freund Fred eine tolle Reise mit einem PickUp Truck (F 250 Ford V8 , 2  x 90 l Tank, Benzin!!) mit Camper hinten drauf von Vancouver hinauf nach Alaska gemacht. Eines der Hauptziele war natürlich die alte Goldgräberstadt Dawson City, dort wo der Klondike in den Yukon mündet und Onkel Dagobert seinen ersten eigenen Kreuzer verdient hatte.

 

Bei der Übernachtung in der Nähe von Whitehorse erfahren wir von einem seit lange dort lebenden Deutschen (Erwin) über einem gewissen Gustav Heitmann, von dem wir alles über das Goldschürfen erfahren könnten. Den sollten wir unbedingt finden.

 

Gleich nach der Ankunft in Dawson schlendern wir über die alten, aus Holz gefertigten Boardwalks von 1898, da kommt uns ein kleines Männchen in einem völlig mit Lehm und Schmierfett versauten roten Overall entgegen. Die dicke Hornbrille diente dem Augenschein nach mehr als Tarnung, denn ein klarer Durchblick war damit nicht möglich. Sie war genauso verschmiert wie das ganze Männchen.

 

Ich hatte an diesem historischen Zeitpunkt ein altes Bundeswehrhemd an, an dem stolz unser „Adenauer“ aufgenäht war (für den unwissenden Leser: mit Adenauer bezeichnet man in Skipperkreisen auch die Bundesflagge, ( für nachgeborne Bildungsmuffel: Konrad Adenauer war der erste Bundeskanzler dieses unseren Landes von 1948 - 1963. Er gehörte der CDU an).

 

Das Hemd hat dann Geschichte geschrieben. Kaum hatte uns das schmierige Männchen passiert, kräht es von hinten in einer Mischung aus gebrochenem deutsch/englisch mit breitem hamburger Akzent: “Hey, was macht die Bundeswehrmacht (wörtlich) in Dawson City?“    --   Es war Gustav!!!

 

Dann nahm das Schicksal seinen Lauf. Es war Freitag und in Dawson traf sich anscheinend alles, was von Rang und Namen und zweifelhaftem Ruf war, zum fröhlichen Umtrunk ein einem Saloon, der seit seiner Erbauung 1896 nicht mehr verändert worden war. Gustav lud uns nach kurzem Gespräch spontan ein, dort mit hinzukommen.

 

Dort saßen schon Gustavs Kumpel, von denen einer Dick Stevenson hieß und seit 1956 hier oben lebte. Damals, 1979, fuhr er ein kleines Boot für Touris auf dem Yukon, das Ding war nicht schön, einem alten Raddampfer nachempfunden, aber der Name hatte es mir sofort angetan. Die Namenspatin dieses Bootes war der Sage nach um 1900 die heisseste Puffmutter der Stadt und ihr zu Ehren hat Dick sein Boot so benannt. Auf ihn geht auch der legendäre Sourtoe Cocktail zurück. Aber den muss jeder selber erfahren.... erfrorene, abgeschossene Zehe in Alkohol eingelegt.....

 

Nach dieser und vielen weiteren Geschichten mussten Fred und ich auf Geheiss unserer „Gastgeber“ sämtliche Gebräue der auf der nach oben offenen Prozente Skala des hohen Nordens verköstigen. Der Abend war ein totaler Anschlag auf den weiteren Verlauf unseres irdischen Daseins. Ohne zu wissen, wie wir dahin gekommen sind, wurden wir am nächsten Tag von einem etwas böse an den Camper bollernden Herrn geweckt - Des war nur der Sportlehrer von Dawson City und irgend so ein Strauchdieb (? ich muss mich doch sehr wundern?)) hatte es gewagt, seinen PickUp auf seinem Schulhof direkt unter dem Basketballkorb zu parken.....Er wollte mit den Kindern von Dawson Sportunterricht machen....

 

Für mich stand an jenem Tag fest: Sollte ich irgendwann mal in meinem Leben zu einem eigenen Boot kommen, taufe ich Dich auf den Namen YUKON LOU in Erinnerung an die letzten Helden vom Klondike....

 

1982 war es dann soweit. Es kam die erste YUKON LOU, eine SAGA 27 AK

 

Gustav Heitmann lebte seit 1953 dort oben und war gnadenlos dem Goldfieber verfallen. Wir haben Gustav dann später nach unserer Ausnüchterung auf seinem Claim besucht. Allein über Gustav könnte ich ein Buch schreiben. Er ist 1998 verstorben und ist in Dawson begraben. Ich werde ihn immer in bester Erinnerung behalten.

 

Die original YUKON LOU an ihrem Liegeplatz in Dawson City

 

Im Sommer 2012 waren unsere Freunde Hajo und Margrit auf einer Tour durch Alaska und das Yukon Territorium in Dawson City. Die beiden haben tatsächlich Gustav´s Grab besucht und mir dieses Foto

mitgebracht:

 

Gustav Heitmann   *13.8.1930 in Hamburg   † 21.11.1998 Dawson City

 

YUKON LOU - Ein Bordtagebuch - Copyright © Gerd-W. Schön 2018

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