Ein Schiffstagebuch

Letze Aktualisierung:

28.6.2021

MMSI   211251200

Rufzeichen: DD 9620

Wie ich zu NORDIC TUG´s kam

Bereits im Frühjahr 1995 habe ich die NORDIC TUG 32 in der US Zeitschrift „Passagemaker“ entdeckt und war vom ersten Tag an von diesem Schiff begeistert. 

Als WasserMann und Schiffsliebhaber mit einer besonderen Vorliebe für Schlepper im besonderen, entsprach dieser Schiffstyp endlich meinen Vorstellungen vom idealen Schiff für mich.

Die Firma Cramer-Boote in Wilhelmshaven hatte den Vertrieb für NORDIC TUGs in Deutschland übernommen und sollte im Herbst 1995 die erste NT 32 als Vorführschiff geliefert bekommen.

Ich war natürlich sofort zur Stelle und habe mir den Dampfer vor Ort angesehen und sofortige Kaufbereitschaft bekundet. Nur mußte ich ja meinen Motorsegler GHOST (eine Fisher 37) erst wieder los werden, was sich aber erstaunlich schnell realisieren ließ. War ja auch ein schönes Schiff.

So konnte ich im Frühjahr 1997 den Kaufvertrag abschließen und in die Planung der Ausrüstung des Schiffes einsteigen. Dazu gehörte der Einbau einer damals hochmodernen Navigationselektronik von Raytheon, GPS, Plotter, Radar, Log , UKW-Funk, eines 220V Konverters, einer 7 KW leistenden Eberspächer Heizung, Vorhänge im Salon, Radioanlage und der Umau der Liege im Salon, so das unsere 3 Kinder dort bequem nebeneinander Schlafen konnten.

Des Weiteren erhielt das Schiff einen starken Suchscheinwerfer des Herstellers WISKA aus Kaltenkirchen bei Hamburg. Den habe ich selbst dort abgeholt und man hat mir, weil das nicht sooft vorkommt, das diese Produkte auf Freizeitschiffen unserer Größenordnung verbaut werden, gleich noch eine tolle Firmenbesichtigung gegönnt. Sonst ist man ja fast zu hundert Prozent in der Berufs-und Großschifffahrt zu Hause. Unter anderem baute man dort die riesigen Suez Kanal Scheinwerfer. Die sind heute ( 2021) natürlich kleiner aber dafür erheblich leistungsstärker als 1997.

Die Krönung der ganzen Aus-Um-Aufrüstung des Schiffes gipfelte in dem eigens von mir entworfenen und von einer wilhelmshavener Spezialfirma für Edelstahlbau gefertigten Signal- und Gerätemastes. Neben der reinen Funktion wertete er die ohnehin schon markante Erscheinung des Schiffes noch einmal erheblich auf.

Ich bin während der Ausrüstungszeit mehrmals in Wilhelmshaven gewesen, um alles einer guten Bauaufsicht zu unterziehen. Alle beteiligten Firmen haben exzellent und gut koordiniert gearbeitet. Daran hatte der damalige Inhaber von Cramer-Boote, Johann Cramer, sicherlich einen gehörigen Anteil durch seine kompetente, ruhige und ausgeglichene Art.

Die Nordic Tug Story

Die Geschichte der Nordic Tugs begann Ende der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Die erste Ölkrise hatte die Forderung nach sehr verbrauchsoptimierten Booten in den Vordergrund gerückt, selbst in America war das plötzlich  ein Thema, war doch das Land seit einem guten Jahrhundert an eine immer währende Versorgung mit dem Schwarzen Gold Erdöl gewöhnt.

In dieser Zeit kaufte Mr. Jerry Husted die Werft Blue Water Boats, die damals Ketchen nach den Plänen des Konstrukteurs Jim Musser baute.

Musser machte Husted mit Lynn Senour, einem  weiteren Schiffbaueingenieur bekannt.

Ein glücklicher Zufall, wie sich alsbald herausstellen sollte! Diese beiden waren sich sehr schnell darüber einig, das es einen Bedarf an verbrauchsgünstigen Motorbooten gebe. Doch da gab es bereits Einges im klassischen Sportbootsegment. Es verging eine nicht ganz einfache Zeit, bis Husted in einem Geistesblitz die Idee zu einem Tugboat, zu deutsch Schlepper kam. Frauen würden es niedlich und liebenswert finden und Männer es robust und stabil, gleichsam einem allradgetrieben PickUp Truck.

Senour stieg in das Projekt ein, ließ sich jedoch zusichern, das er sich konstruktiv und in Punkt hydrdynamik unterhalb der Wasserlinie völlig frei entfalten könne. Heraus kam ein Rumpf for eine Halbverdränger mit einem extrem ausgewogenem Verhältnis zwischen Geschwindigkeit und Verbrauch.

1979 wurde die Nordic Tug Incorperation in Burlington im Staate Washinton gegründet, nicht ahnend, das keine 2 km vom heutigen Firmenstandort Gerd-W. Schön und Fred Gehring aus Deutschland auf ihrer großen Alaska Reise am Higgins Airport vorbei dampften.

Senour machte sich an die Arbeit, im Hinterkopf hatte er das Schlepperdesign der USA aus den 30iger Jahren. Am Ende stand 1980 eine 26 Fuß Schlepperyacht auf der Boatsmesse in Seattle, die an Aufmerksamkeit alles bisher dagewesene in den Schatten stellen sollte.

Das Schiffchen wurde zu einem Preis von US $ 29.995,00 angeboten, eine Reservierung konnte gegen eine Anzahlung von  $ 1.000,00 gemacht werden, die bei Rücktritt vom Vertrag sogar zurückgezahlt werden sollten.

Es soll nicht dazu gekommen sein. Auf der Messe wurden 37 Schiffe bestellt und bis zu Monatsende waren es 54 Stück!

So nahm die Geschichte seinen Lauf. Heute bietet Nordic Tug Schiffe von 34 bis 54 Fuß an und ist stolz darauf, das sie immer noch alle in den USA gefertigt werden.

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