YUKON LOU

Schiffstagebuch

 

2018 beginnt mit viel Arbeit

Habe mich nun endlich aufgerafft, um das bordmäßig dürftige Jahr 2018 aufzuarbeiten. Hatte mich ja im vergangenen Herbst entschlossen, doch wieder nach Barth zu gehen. Zuvor habe ich jedoch im Herbst 2017 umfangreiche Sanierungsarbeiten am Schiff gestartet, die ich hier nun erst einmal beschreiben will.

 

Zunächst musste ein neuer  Kühlschrank her, der alte hat nach 18 Jahren tatsächlich den Dienst quittiert. Habe mich für einen DOMETIC Schrank entschieden.

 

Als weiteres war das Flexi-Teakdeck dran. Leider hat das nicht solange gehalten, wie gedacht. Das Material war einfach geschrumpft und hatte zu den Fugen teilweise Flankenabrisse von mehr als 3 Millimetern. Die Arbeiten wurden dann im Winter bei der Böbs Werft in der temperierten Lackierhalle von der Firma RoSch-Yachts aus Barsbüttel ausgeführt.

 

Doch nun zu den Eigenleistungen. Habe mit der Entfernung der alten Textilbeläge im Vorschiff begonnen. War eine erstklassige Sauerei, aber als alles raus war, erfüllte mich meine Arbeit mit Stolz und ich konnte mit dem Neuaufbau beginnen.

 

Wenn schon alles so schön ist, habe ich mich gleich entschlossen, eine Isolierung mit 19 mm Armaflex einzubauen. Durch Recherche im Web finde ich einen Lieferanten in Lübeck mit Sitz auf dem ehemaligen Hochofengelände in Kücknitz. Fahre sogleich dorthin und finde alles, was das Herz begehrt.  So arbeite ich mich in die Isoliertechnik ein und habe nach einigen Stunden ein wunderbares Ergebnis: sowohl wärmetechnisch als auch schalltechnisch mehr als überzeugend.

 

 

Dann begann der Neuaufbau mit ARMAFLEX. Das Material ist einseitig mit einem Haftkleber beschichtet, so das es nach abziehen der Schutzfolie prima auf dem gesäuberten und fettfreien Untergrund haftet. Der Zuschnitt erfolgte in der Herbstsonne auf dem Steg vor dem Schiff.

 

 

Habe über den ganzen Winter verteilt gearbeitet, teilweise die Verkleidungsplatten ausgebaut und zu Hause unterm Carport von den Textilbelägen befreit und die neuen Beläge dann im Keller aufgeklebt.

Beim Wiedereinbau im Frühjahr hat mir da mein freund Rainer tatkräftig zur Seite gestanden. Das gleiche gilt auch für die Belagsverlegung direkt an Bord, da hätte ich ohne Rainers Hilfe alt ausgesehen. Vier Augen und Hände plus Erfahrung sind schon etwas wert.

 

 

Da ich bis weit in den November hinein an Bord gearbeitet habe, wurde mir das Fortschreiten der Jahreszeit mit deutlich sinkenden Temperaturen sehr klar vor Augen, besser klar mit kalten Füßen bewusst gemacht. Und wenn ich eins hasse, sind es kalte Füße. Mein treuer Refleksofen begleitete mich nun schon seit ein paar Wochen mit seinem wärmespendenden Einsatz, allerdings führt die Konstruktion der NORDIC TUG dazu, das sich die warme Luft immer oben im Ruderhaus sammelt und der Fußraum im Salon immer kalt bleibt. Das umso stärke, wenn die Wassertemperatur wie im November deutlich absinkt. So war die Kälte-Not dann doch sehr groß geworden, aber wie sagt der Volksmund: Not macht erfinderisch - und da is wat drann!! Mann baut sich eine Fußbodenheizung!!!

 

Du sollst keine kalten Füße mehr haben!!

Tja, Not macht erfinderisch. Da habe ich nun einen traumhaften Refleksofen an Bord, mit dem ich neben Salon und Ruderhaus auch das Bad und die Kojen im Vorschiff mittels zweier Heizkörper schön wärmen kann. Und dann hat der Refleks-Macker immer noch Reserven, die eigentlich brach liegen. Und kalte Füße sind irgendwie scheiße und der Gesundheit abträglich..... Unter dieser Erkenntnis schlug der Geistesblitz in mein Hirn und ich beschloss: hier kann nur eine Fußbodenheizung helfen.

 

Innerhalb kürzester Zeit entstand diese vor meinen Augen und die Planung begann. Zunächst die Bestandsaufnahme der Deckkonstruktion im Salon - und da ging der Zirkus schon los. Die NORDIC TUGs aus den 90iger Jahre waren überaus solide und massiv gebaute Schiffe. So war das Salondeck auf einer Lage von Querspanten und Stringern von ca 7x14 cm aufgebaut. Durch diese Bauweise entstand unter dem Boden eine kassettenförmige Konstruktion. In diesen einzelnen Kassettenräumen musste ich nun meine Heizkörper unterbringen. Da war zum Teil nur sehr wenig Platz, um die Teile darin zu bekommen und dann sollten sie auch noch plan unter dem Boden sein, von wegen der Wärmeableitung....Alles ga nich sso einfach. Hätte ja die berühmte Installationsfirma aus Flensburch (Gas, Wasser Schei...) damit beauftragen können, aber in mir war der Ehrgeiz geweckt und ich wollte das durchziehen. Habe auch vorsichtshalber mit niemanden darüber gesprochen, da ich nicht schon wieder als der völlig durchgeknallte dastehen wollte.

 

Also alles aufgemessen, eine Stückliste gefertigt und dann ab zu Hornbach. Als ich von dort beladen mit etlichen Metern fünfzehner Kupferrohr und einem großen Karton voller Fittinge zu Hause aufschlug und den Carport umgehend in eine Lötstation verwandelte, schrillten bei Angelika schon sämtliche Alarmglocken: was passiert jetzt schon wieder???? Meine Antwort, frei nach Rudi Carrell : Las Dich überraschen.... kopfschüttelnd wandte sich meine Frau ab.

 

Und nun ging es los, es wurde Heizschlange nach Heizschlange zusammen gelötet und dann zur Dichtheitsprüfung abgedrückt.Mit wenigen Nachbesserungen waren alle dicht. Danach habe ich jede Schlange auf eine passend zugeschnittene Kupferplatte gelötetet (Frank, an dieser Stelle Dank für die Einkaufshilfe für die Kupferplatte beim Baustoffhandel). Zum Schluss wurde die Rückseite der Heizkörper, die später in die Bilge zeigen sollte, noch mit Armaflex eingepackt, um den Wärmeverlust einzugrenzen. Erste Einbauübungen zeigten: es passt. Mit Kühlerschläuchen aus dem Automobilbau dann alle Körper miteinander verbunden und einen ersten Probelauf vor dem Einbau getätigt. Auch das haute hin.

 

Jetzt kam der Einbau an Bord - und die Nummer hat mir von Anfang an im Magen gelegen. Nicht das es nicht möglich gewesen wäre, aber mit 65 Jahren ist Mann doch nicht mehr so gelenkig wie vielleicht mit 56(!), vor allem, weil die meiste Arbeit mit Kopf hängend in der engen Bilge zwischen Wassertanks und Auspuffrohr getätigt werden musste und auch teilweise ohne direkt Sicht auf das Objekt.

 

Aber auch hier fand sich die Lösung, nämlich in Anton, unserem plitschen Nachbarjunge, gerade 18 Jahre alt geworden und mitten im Abitur steckend. Anton hat ein tolles technisches Verständnis und hat auch schon bei Nils, dem Motorenmann meines Vertrauens gejobt. Mit Anton habe ich dann zusammen alles eingebaut, wir haben uns wunderbar ergänzt und hatten viel Spaß an der Arbeit. Ich glaube, Anton hat auch eine Menge an Erfahrung und Wissen mitnehmen  können.

 

Nun aber ein paar Bilder zu diesem Projekt:

 

So war dann die Heizung Mitte April einsatzfähig - pünktlich zum Beginn des Jahrtausendsommers, der uns dieses Jahr im Norden bevorstand. Nils hat mir Umwälzpumpe geliefert und eingebaut. Zum 1.Mai wurde es dann noch mal saukalt und da habe ich dann die unmögliche Idee, wie man mir von vielen Seiten bescheinigte, in Betrieb genommen.

 

Und der Herr setzte die Flamme in dem Ofen in Gang und siehe, nach ca. einer  Stunde erwärmte sich gaaaanz langsam der Boden, nahm immer mehr Temperatur an - und an den Füßen wurde es warm. Dann hatte ich eine traumhafte, durchgängige Temperatur und das nur mit kleinster Flamme im Refleks. Der nächste Winter kann kommen. Aber erst kam der Supersommer 2018.

 

                                                                                                                                                                 weiter>>>

 

 

YUKON LOU - Ein Bordtagebuch - Copyright © Gerd-W. Schön 2017