YUKON LOU

Schiffstagebuch

 

2017 Geit wedder los

Das Schiff hat nun einen Winter in der Halle der Firma Lingroen in Barth verbracht und ist nun klar, um zu Wasser zu gehen. Vorher habe ich noch mit Christian Thiel von NavpointNord ein neues Radar und ein Hybridtouch der Raymarine ES Serie eingebaut. Wieder ein Quantensprung in der Bordtechnologie. Leider musste mein altes, großes Balkenradar auf dem Ruderhausdach weichen, aber das neue System kommt mit einer wesentlich leichteren Version aus.

 

Bin also im Frühjahr mehre Male nach Barth gefahren, um am Schiff etwas zu machen, habe dann im Hotel „Speicher Barth“ übernachtet. Interessanter Umbau eines alten Kornspeichers am Hafen zu einem Designerhotel. Das war bereits Ende der neunziger Jahre.

 

Am 5. Mai (so spät) war dann dann endlich der Tag der Wasserung. Dies traf in vollem Umfang zu, denn ich bin noch nie beim zu Wasser bringen der YUKON LOU so naß geworden. Es regnete den ganzen Vormittag Bindfäden, erst als ich das Schiff gegen Mittag am Liegeplatz in der Marine fest hatte, hörte es auf. Alles war feucht und klamm. Deshalb sofort den Refleksofen gezündet und das Schiff damit auf ein lebbares Klima gebracht. Immer wieder eine tolle Bereicherung für das Leben an Bord, das Ding.

 

Der erste Törn sollte dann wieder mit Pinne Ende Mai stattfinden.

 

Langes Wochenende an Bord

23.5.2017

Fahre nach dem Frühstück nach Barth. Das Auto ist voll beladen, so das alle wichtigen Dinge nun an Bord kommen. Verstaue alles an dem dafür vorgesehenen Plätzen und tätige dann noch einige ergänzende Einkäufe bei den einschlägigen Fachgeschäften vor Ort: Eier, Speck, Heinz Baked Beans, also wieder einmal alles für die Gourmetfrühstückskombüse der YUKON LOU. Schließlich will ich wieder mit meinem alten Kumpel Eggat in die Saison starten.Und da ist natürlich „Breakfast in America“ immer erste Wahl.

 

Verbringe also den ersten Abend und Nacht an Bord meines Schiffes und fühle mich sauwohl. Auch zieht mich der kleine sagenumwobene Ort gleich wieder in seinen Bann. Barth ist einfach ein schöner Platz, dem ich mittelfristig eine gute Zukunft voraussage.

 

Am Mittwoch nach dem Frühstück habe ich dann in der Spüle der Pantry den defekten Ausguss demontiert und anschließend im Baumarkt Branse mir die entsprechenden Teile in der Sanitärabteilung zusammengesucht und diese zu einem kleinen Abflußkunstwerk zusammen geklöddert. (Fa. RÖHRICH). Bin stolz! Et löppt allwedder aff, dat Woter.

 

Am frühen Nachmittag, schlägt dann Eggat auf.  Nach dem Einräumen gibt es das obligatorische Auftaktbier, diesmal ganz frisch und neu: ÖRKEL Frisian Style Pilsner, ein erstmalig von mir gebrautes Pils im Stile eines klassischen norddeutschen Pils, also ziemlich herb, so wie ein Jever mal vor 40 Jahren gewesen ist. Einigen Kennern zu Folge soll ich das ganz gut getroffen haben.

 

Danach dann das übliche Prozedere: Abendessen bei Moppi, danach geht es auf die GRANITZ, wo  DJ Zikke heute Abend auflegt. Morgen ist ja Himmelfahrt oder wie man hier auch sagt: Herrentag. Es geht auf dem alten Dampfer wieder richtig zur Sache, Zikke fährt das volle Programm ab. Als wir zurück zu Schiff wandern, ist es im Norden schon wieder leicht hell, die weißen Nächte stehen ja vor der Tür.

 

 

 

Der nächste Tag, es ist der 25.5. sieht uns mit dem alten Herrn BISMARCK einen Herrentagsausflug nach Althagen und Zingst machen. (Herr  BISMARCK ist mein alter Benz, den ich im Winter meinem Freund Barny aus Bremen abgekauft habe: 420 SE , Bj. 12/1989. Tolles Auto, war die unumstrittene Staatskarossen bei den meisten Ländern der Erde. Helmut Kohl hat als Bundeskanzler in so einem Modell 650.000 Kilometer zurückgelegt und hat den Ersatz immer mit dem Hinweis auf die gute Qualität abgelehnt. Er müsse ja nicht unnötig das Geld der Steuerzahler verpulvern. Sollten sich mal einige unserer Politkasper von heute ein Beispiel dran nehmen. Eggat war jedenfalls von dem schönen Motorwagen sehr angetan. Den Name BISMARCK hat der Benz von Jochen aus München, dem Mann meiner Nichte Cornelia bekommen. Gleich nach Erwerb des Autos haben uns die beiden in Travemünde besucht, der 420er stand unter dem Carport, Jochen sieht ihn und sagt: " Joa mei, des is a Schlachtschiff, das is de  BISMARCK. So fahren wir nun also mal mit der BISMARCK nach Lübeck oder nach Scharbeutz, aber auch eben nach Barth. Allerdings nach Möglichkeit nur bei gutem Wetter, dieses automobile Kulturdenkmal soll doch der Nachwelt erhalten bleiben.

 

In Althagen war der Hafen noch recht leer, aber das kann sich dort ja minütlich ändern.  Wir waren gegen 14:00 von unserem Ausflug zurück und begaben uns dann straight on auf das Sonnendeck der GRANITZ um artgerecht mit Bier den Herrentag würdig zu begehen. Die Sonne bretterte nur so vom Himmel, es wehte ein laues Lüftchen und wir waren mal wieder mit uns und der Welt im Reinen.

 

 

Abends dann noch mal bei Moppi nach dem Rechten gesehen. Es wurde nicht so spät, da wir morgen einen riesen (?!?) Schlag nach Zingst machen wollen. Diese Reise wird es in sich haben: 40 Minuten Fahrt durch schwierigstes und anspruchvollstes Revier!!! Da ist Hein Seemann mal wieder voll gefordert!!

 

Schaffe auch dieses navigatorische Meisterstück und wir legen bereits um 11:00 Uhr bei der Kloss Werft an. Danach gleich die Birdys klargemacht und Richtung  Strand gedüst. Da es schon deutlich nach 12:00 Uhr war, ging es gleich mit dem Rad Richtung Strand.

 

 

 

 Dort wird dann zunächst eine Imbissbude an einem der vielen Strandübergänge angesteuert. Es ist Traumwetter und durch das lange Wochenende ist es sehr voll. Ergattern einen Sitzplatz an einem Tisch, an dem bereits einige Personen sitzen, unter anderem ein Sachse in unserem Alter, der schon mit einigen Bieren vor uns lag. Es entwickelte sich ein überaus lustiges, aber auch wieder einmal sehr informatives Gespräch. der Junge war Rockmusiker zu DDR Zeiten und erzählte die tollsten Geschichten. Es wurde wieder viel gelacht, ein weiterer Gast am Tisch kam aus dem Ruhrgebiet und fühlte sich der Szene hier sehr verbunden. Nach Verarbeitung der Currywurst an Pommes sind wir vernünftigen Jungs dann weitergefahren, obwohl es von unserem sächsischen Altrocker vehemente Forderungen zum Bleiben und biertrinken gab. Aber wir wollten ja den Abend noch einigermaßen klar erreichen, was dann auch Dank größter Disziplin gelang.

 

So schlenderten wir noch durch die Fußgängerzone und über die Seebrücke. In Zingst fanden die Zingster Fototage statt und es war ein riesiges Aufgebot an Firmen anwesend: vom Kamerahersteller über Softwarehersteller bis hin zu traditionellen Fotopapierherstellern. Sogar Drohnenanbieter boten ihre High-Tec Produkte feil. Eine besondere Attraktion stellten die Greifvögel eines Greifvogelparkes mit ihren Vorführungen dar.

 

Abends gab es dann noch  ein ordentliches Steak am riesigen Campingplatz. Die zuvor erwähnten Vögel hatten dort noch einmal einen Zirkusauftritt - direkt vor unserem Tisch.

 

Samstag machten wir uns gleich mit den Rädern wieder auf den Weg. Zunächst ging es in Richtung Osten und an den Strand. Habe dort mein erstes Bad des Jahres in der Ostsee genommen, gebe ja zu, das es ein recht kurzes war (13-14ºC), aber es bringt einen nach vorn.

 

Weiter ging es nach einer halben Stunde bis zum Pramort, der östlichsten erreichbaren Stelle auf der Halbinsel Zingst. Dort stehen 2 reetgedeckte Aussichtsplattformen, von denen aus man einen herrlichen Blick über die Boddenlandschaft zur einen Seite und hinüber zur Ostsee auf der anderen Seite hat.

 

Zurück am Schiff hatten wir wieder deutlich über 50 Kilometer auf der Uhr. Das Wetter war der Hammer, bester Frühsommer. So wurde noch das Dinghi klargemacht und einmal den Zingster Strom rauf und runter geknattert. Es ist doch immer wieder erstaunlich, was für eine robuste Natur unser alter Tohatsu Aussenborder von 1992 hat.  Toller alter 2-Takter.

 

Für den Abend hatten wir uns den örtlichen Chinesen ausgeguckt. Manchmal hat Mann ja so richtigen Jibber darauf. Also recht früh mit den Rädern los.

 

Kurz vor dem Ziel klingelt mein Telefon, sehe auf dem Display den Namen von Helmut, einem alten Freund aus Travemünde. Wundere mich über den Anruf am Samstag Nachmittag und dann überbringt er mir die Hiobsbotschaft, das unser alter gemeinsamer Freund und mein langjähriger Nachbar Christian verstorben ist. Da musste ich mich erst mal auf den nächsten Steinpoller setzen. Das war wie ein Schlag vor den Kopf. 68 Jahre wäre er im Herbst geworden.

 

Mit dieser traurigen Nachricht sitzen wir dann beim Chinesen, das Essen ist schön scharf und gut, aber so richtig schmecken will es doch nicht. Ablenkung bringt dann das Pokalendspiel, das der BVB sicher nach Hause schaukelt. Wenigsten ein Lichtblick noch an diesem Tag.

 

So verbrachten wir noch den Sonntag in Zingst, am Nachmittag sahen wir in einem American Diner das Formel 1 Rennen. Muss allerdings sagen, das mir kaum etwas so an dem berühmten Gesäßteil vorbeigeht, wie dieser Zirkus. Aber Eggat is nu ma Fän, da musste ich also durch.

 

Montag ging es dann zurück nach Barth. Wieder war eine schöne Woche im Handumdrehen vorbei, aber der Sommer ist ja noch jung, da ist noch einiges drin. Hiä gehts waida>>>

 

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