Ein Schiffstagebuch

Letze Aktualisierung:

28.6.2021

MMSI   211251200

Rufzeichen: DD 9620

Roadtrip USA - Januar 2018

OURAY 2

Brickhouse Saloon -  back in 1987  Top of the Nugget

Zurück von Silverton, ging es direkt weiter nach Ridgway, dem im Norden von Ouray gelegenen Ort. Bis dahin sind es nur kanpp 11 Meilen, aber es wird eine recht weitläufige, offene Landschaft. Die Berge bleiben sehr schnell zurück, bilden eine dafür umso schönere Kulisse. Ridgway wirbt mit dem Slogen: Ridgway has the sun. Damit spielt man wohl auf das immer recht schnell durch die Berge verschattete Ouray an.

In Rigdway fanden gerade Skijöringwettkämpfe statt. Die Sportart war mir aus Erzählungen meines Vaters bekannt. Er hatte das in seiner Kindheit im Erzgebirge in Sachsen schon gemacht. Man steht auf Skiern und lässt sich dabei von einem Pferd ziehen, dabei gibt es dann verschiedene Aufgaben der unterschiedlichsten Schwiergkeitsgrade zu bewältigen. Hier musste man sich von dem Gaul auf Schwung bringen lassen und über eine Schanze aus Schnee springen. Nun denn!!

Hier kommen noch 2 Bilder vom "Ridgway Liquor Store". Da erste stammt aus dem Januar 2018 das zweite aus dem Juni 1987 . Da war ich mit Fred dort drüben und Pinne ist von San Diego aus dazu gestoßen und hat diese denkwürdige Fotodokument von Fred und mir erstellt:

Wollten eigentlich hier in Ridgway was essen, fanden aber nicht so das Richtige, drehten noch eine Runde durchs Dorf, stießen dabei auf eine Marihuanaverkaufsstelle, das ist ja nun in Colorado legal. Diesen sachdienlichen Hinweis hatten wir durch eine Intenetzrecherche von Robert bekommen, der uns damit Aufgrund unserer Klagen über den nicht enden wollenden Jetlag etwas "Gutes" tun wollte. Sahen uns den Laden mal näher an, war wie eine Arztpraxis mit Wartezimmer und Sperrbreich. Nur durch eine von innen zu öffnende Tür zu betreten. Drinnen hörte man Stimmengegrummel, aber es kam niemand, um uns nach unseren Dröhnwünschen zu befragen. Hätte sowieso nix gebracht, da sind wir außen vor. Aber interessant war es doch.

Nicht zugekifft, aber dennoch fröhlich, ging es zurück nach Ouray. Dort gab es erst mal ordentlich was auf den Teller, Bergluft macht ja bekanntlich hungrig. Wir befinden uns ja permanent auf einer Höhe von deutlich über 2000 Metern, Silverton liegt 2837 Meter hoch, der Red Mountain Pass geht auf 3358 Meter und Ouray als unser Ausgangsort immerhin noch 2375 Meter. Da wird die Luft schon mal dünn und die Lippen blau.

Wir sind ja auf der Memory Lane Tour 2018 und da holt einen auch immer wieder die Vergangenheit ein, soll sie ja auch, dafür sind wir ja schließlich unterwegs. So kommen wir auch zum in den Achtzigern als Top of the Nugget bekannten Saloon, damals nagelneu und von einem jungen Paar aus Louisiana betrieben.






Ridgeway Liquors  2018

Ridgeway Liquors  1987   -   31 Jahre her

Fiddlers Green   -  die Kifferbude von Ridgway

Hier eine kleine Memory Lane Story

1988 waren wir mit einer Gruppe von 7 Jungs angereist, Pinne sollte von San Diego dazu stoßen. Alle wollten mal Jeep in den Bergen fahren und den Ort kennenlernen. Das das alles keine Kostverächter waren, versteht sich von selbst, sonst hätte Mann auch zu Hause bleiben können.

Eines Nachmittags, wir waren mit unseren 3 Jeeps gerade aus den Bergen zurück, hieß es von einigen spontan: Wir gehen schon mal zum Nugget auf die Terrasse. Da wollte natürlich keiner Schwäche zeigen und so rückte die ganze Bagage geschlossen da oben an. Bei den jungen Wirten tilten schon wieder die Dollarzeichen in den Augen und sie sollten recht behalten.

 Heute war nämlich urplötzlich Long Island Icetea Tag angesagt. Kein Mensch weiß mehr, wie es dazu kam, es war einfach so. Jeder, der dieses Gemisch kennt, weiß welche Wirkung der Stoff haben kann, handelt es sich doch hierbei um eine recht explosive Formulierung. Der normale Konsument nimmt davon derer zwei, tapfere auch schon mal einen dritten, dann ist aber auch meistens Schluss. 

So bei den meisten von uns auch, nur hatten wir einen Kandidaten dabei, ich nenne mal noch keinen Namen, der sich anschickte, 6 Stück davon zu nehmen und das mit einer so sensationellen Kondition, das er noch selbständig und aufrecht die Treppe hinunter ging und zu Fuß auch noch das Motel erreichte. Die Nummer war dann in den nächsten Tagen Stadtgespräch!

Dieser damals noch junge Mann hat dann einige Monate später geheiratet und meine Frau Angelika hat diese Geschichte sehr schön in der Hochzeitszeitung mit dem Reim abgeschlossen:

... the next Day the whole town was talking: he got 6 and was still walking.

Nach einer Stärkung mit regionaler Schonkost in Form eines gewaltigen Hamburgers mit "home made French Fries (Fritten), schlenderten wir durch den Ort, machten Aufnahmen, suchten alte Wirkungsstätten von früher auf und landeten letztendlich bei Mr. Grumpy House Brewery oder auch Mr. Grumpy Pants. Eine urig eingerichtete Kneipe mit angeschlossener Brauerei, bei der der Chef wohl alles selber macht. Eine richtige One Mann Show. Allerdings war er nicht sehr gesprächig, schien sich auf "Dienst nach Vorschrift" zu verhalten. Sein Bier war ordentlich, aber seine Gastansprache eigentlich scheiße. Schade drum, er wollte es wohl so, also sind wir nach einem Bier gegangen, was ansonsten nicht unsere Art ist.

Witzig war allerdings seine Tresenausrüstung: Hinter dem Tresen hatte er an der Decke eine Stahlschiene montiert, an der eine Laufkatze (fahrbarer Kran) mit zwei Stahlseilen dran lief. Unten an den Stahlseilen war ein Sitz befestigt. Darauf sitzend, konnte die Barbedienung ganz einfach hinter dem Tresen ruckzuck von einem zum anderen Ende sausen, ohne aufzustehen. Tolle und zugleich lustige Einrichtung.

Am Abend stand dann die dritte örtliche Brauerei auf dem Besuchsprogramm: Red Mountain Brewing. Hier stellte sich heraus, das diese noch im Aufbau ist und noch gar kein Braubetrieb stattfand. Es waren allerdings schon Gärtanks und weiteres Equipment vorhanden. Ansonsten wurde eine große Anzahl von Craft Bieren und einige Industriesorten angeboten. Wir probierten ein Kolsch (zu Deutsch Kölsch) was recht gut getroffen war. Dazu gab es ein Schale French Fries, home made?!

Danach statten wir noch unserem alten OUTLAW einen kurzen Besuch ab. Hier war es, wo uns 1992 unser Freund David aus Californien, der zu uns gestoßen war, in die Geheimnisse der Rocky Mountain Oyster einführte. Als altes Traditionshaus am Platz hatte der OUTLAW diese nämlich auf der Karte. David bestellte eine Portion zum Testen für uns 5 Mann und es kam eine Schale mit fritierten Kugeln. Hätte auch eine Art Frikadelle sein können. Naja, es waren keine Frikadellen, es waren halt schnöde, fritierte Bullenklöten (Hoden). Kann Mann, muss man aber nicht essen. Ein Spaß war es trotzdem.

Abschluss fand der Abend im Silver Eagle Saloon, früher hieß er 550, nach der durch OURAY laufenden Straße. Eine richtige American Honky Tonk Bar. Es spielte ein Typ Gitarre und sang dazu, nur schöne alte Sachen aus unserer großen Zeit. Das Publikum war auch durchweg in unserem Alter, keiner war mehr ganz nüchtern, manche kamen wohl wirklich aus ihrer verschneiten Berghütte oder Ranch zum Wochenende hierher, um ein wenig Gesellschaft zu haben. War jedenfalls ein gelungener Abschiedsabend in Ouray - wir haben noch mal das gute, alte Amerika gesehen.

Im Outlaw  -  Western Style pur

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